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Malteser Stiftung

Portrait Norbert Bergmann

Weltenbummler, Geschäftsmann und Stifter

Norbert Bergmann bereist seit 50 Jahren die Kontinente

Als seine Hände die 30 Reisepässe umfassen, die vor ihm auf dem Tisch liegen, greift Norbert Bergmann auch einen großen Teil seiner Lebensgeschichte. Der 77-jährige freie Handelsvertreter, der die Waren großer internationaler Textilfirmen verkauft hat, ist ein Weltenbummler. Seit nunmehr fast 50 Jahren. Denn kaum hatte er als junger Mann die Lehre zum Kaufmann abgeschlossen, zog es ihn in die Welt.

1966: Der Sohn eines Reviersteigers ist neugierig, wie es außerhalb seiner Heimat am Niederrhein zugeht und "gegen Militär". Den Grundwehrdienst in der Bundeswehr will Norbert Bergmann von sich schieben und gibt an, er plane eine mehrmonatige Studienreise nach Indien - von der er tatsächlich erst sechseinhalb Jahre später wieder zurückkommt.

Norbert und ein mitreisender Freund reisen per Autostopp über Jugoslawien, Griechenland, die Türkei, Iran, Pakistan bis nach Indien und kommen mit vielen interessanten Menschen in Kontakt. Wie dem Maharadscha von Kerala, im Süden Indiens, der die beiden jungen Männer aus Deutschland zur Jagd auf dem Rücken eines Elefanten mitnimmt. Der 26-Jährige entdeckt auf dieser ersten großen Reise die Vielfalt des Lebens, lernt Freiheit, Glück, Abenteuer und andere Kulturen kennen. Er will weiter, nicht zurück.  Die lange Reise durch die Welt hat ihren Anfang gefunden, nicht ihr Ende, wie geplant.

Bergmann und sein Freund aus Duisburg trampen weiter Richtung Osten bis nach Australien, wo sich irgendwann ihre Wege trennen. Als das Geld verbraucht ist, arbeitet Norbert Bergmann. In Australien muss der Mann, der nach eigener Einschätzung "zwei linke Hände" hat, sechs Monate beim Bau eines Staudamms schuften, um die Geldbörse wieder zu füllen. Dann führt ihn seine Reise nach Afrika und in den Nahen Osten. Im Kibbuz in Israel, einem der wenigen, die Deutsche aufnehmen, lernt er die Schweizerin Elisabeth kennen. Die beiden gehen nach Deutschland, zurück an den Niederrhein - und heiraten. Von der Bundeswehr hört Norbert Bergmann nichts mehr.

Auch wenn die Familie in den nächsten Jahren um drei Söhne wächst, bleibt das Verlangen nach der Ferne bestehen. Er hat gelernt, zwischen den Kulturen zu vermitteln, Geld mit Provisionen zu machen für Textilien, die in einem Teil der Welt produziert und im anderen gekauft  werden. "Ich kann planen und organisieren", sagt Bergmann. Er wohnt über Wochen in teuren Hotels, springt von Termin zu Termin, verhandelt und verkauft. Das gutgehende Geschäft gibt ihm die Möglichkeit, sich auf seine eigenen Reisen zu machen, die ihn in einfache Unterkünfte und auch zu den armen Menschen führen.

Bergmanns Frau und die drei Söhne müssen während seiner langen Reisen oft auf Mann und Vater verzichten, auch wenn wichtige Entscheidungen anstehen. "Meine Frau bewahrte mich Gott sei Dank davor, ständig auf Achse in der Welt zu sein", sagt Norbert Bergmann heute im Rückblick. Der Niederrhein bleibt sein fester Haltepunkt, auch wenn zum Beispiel allein Nepal mit mehr als 15 Besuchen in all den Jahren wie eine zweite Heimat scheint.

Die Reisen sind oft nicht einfach, sondern bergen Gefahren. In Äthiopien entkommt er wie durch ein Wunder unverletzt mit einer kleinen Gruppe den Rebellen, die ihren LKW beschießen. Der einheimische Fahrer im Fond kommt ums Leben, der Beifahrer wird verletzt. Im Sudan fährt er auf dem Nil in der 4. Klasse mit vielen armen Menschen unter miserablen Umständen. Er gelangt bis Luxor, der Stadt der Könige in Ägypten, und dort ist es für ihn irgendwann vorbei: Eine Gelbsucht streckt ihn nieder, er ist völlig erschöpft, muss lange pausieren. Doch die Angst übermannt ihn nicht. Er behält seine Leichtigkeit, seinen Humor. Probleme kann er immer irgendwie lösen und kommt zurück auf den Weg zum nächsten Ziel.

"Ich habe immer gut verdient und gerne abgegeben", erzählt der Mann mit dem Vollbart, den er seit jungen Jahren trägt. Ob Bettler am Straßenrand, Patenkinder, ein Kinderkrankenhaus oder die Hilfe für Flüchtlinge: Geld gibt er gerne an Bedürftige weiter. Sein persönliches Kapital sind die Begegnungen mit den Menschen und Bräuchen. In seinem Haus in Kalkar zeugen zahlreiche Gegenstände und Fotos davon. Er trifft mehrmals Mutter Theresa in Kalkutta, den Dalai Lama in Nepal und andere Menschen, die ihn faszinieren. Sein Fazit: "Auch wenn es in Asien und Afrika viele arme Menschen gibt, so sind sie oft glücklicher als die in der westlichen Welt, denen es an wenig mangelt."

Vor seiner letzten Geschäftsreise, die ihn im Herbst sechs Wochen nach Kuwait, Dubai und Shanghai führt, hat Norbert Bergmann wieder einmal großzügig gespendet. Dem Malteser Hilfsdienst, bei dem er auch seine Stiftung zur Förderung der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe aufgebaut hat, schlägt er vor, Spenden zugunsten syrischer Flüchtlinge zu verdoppeln. Er legt auf jede Spende, die die Malteser für diesen Zweck erreicht, bis zu einem Gesamtwert von 100.000 den gleichen Betrag oben drauf.

Norbert Bergmann wird sein Geschäft zum Jahresende aufgeben. Seine Kräfte lassen nach und sind den Strapazen der vielen Termine nicht mehr gewachsen. Was ihn aber nicht hindert, mit Hilfe seiner Familie die nächste Reise zu planen. Denn ein Globetrotter bleibt er.

Weitere Informationen

Spendenkonto: Malteser Stiftung  |  Bank für Sozialwirtschaft  |  IBAN: DE71700205000008869107  |  BIC / S.W.I.F.T: BFSWDE33MUE